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MRK: „Es kommt immer auf den jeweiligen Anwendungsfall und die Mitarbeiter- und Kostenstruktur an“

23. August 2016, von Johanna Braun

Dipl. Ing. Uwe Schmidt

Zusammenarbeit von Mensch und Roboter aus der Sicht eines Anbieters von Engineering Services im Anlagen- und Maschinenbau. In der HLS Group aus Augsburg hat man sich unter anderem auf roboterbasierende Automatisierungslösungen spezialisiert. Dipl. Ing. Uwe Schmidt ist dort Leiter der Division Advanced Technology Engineering. Er beurteilt MRK als die Schlüsseltechnologie für die Automatisierung in der Montage.

Herr Schmidt, die Automobilindustrie setzt schon seit langem verstärkt auf MRK-Lösungen. Der Mittelstand zieht nun langsam nach. Mit welchen Vorteilen können die Unternehmen rechnen? Gelten hier die gleichen Regeln, wie bei den „Großen“?

Unserer Meinung nach befinden sich die großen OEMs ( Automobilindustrie) auch noch am Anfang des Weges, beim Mittelstand gibt es mittlerweile auch etliche Firmen die in diesem Bereich ihre Erfahrungen sammeln und Leichtbaurobotik einsetzten. MRK ist eine sehr dehnbare Bezeichnung für Mensch-Roboter-Kooperation, dies kann entweder eine Koexistenz oder eine Kollaboration bedeuten. Diese Einsatzfälle sind unterschiedlich zu bewerten. Koexistenten sehe ich bei den Unternehmen bereits in der Realisierung, die Kollaboration ist eher noch in der Seltenheit.

Kollaborationen ermöglichen aber in der Zukunft, den Einsatz von wandelbaren Fabriksystemen mit sehr positivem Kosten-Nutzen Effekt und flexiblen Automatisierungsgrad. Das sehe ich als großen Vorteil in der Anwendung der Mensch-Roboter-Kollaboration. Da unterscheiden sich meiner Meinung die unterschiedlichen Unternehmen nicht.

MRK ist also ein Kernstück der Industrie 4.0. Welches sollten die ersten Schritte sein, die ein Unternehmer macht, um seine Produktion/Montage in Richtung Mensch-Roboter-Zusammenarbeit zu „revolutionieren“?

Wir bekommen oftmals Anlagen zu sehen, die nur mit sehr hohen Aufwand CE-konform realisiert werden können. Dies verursacht für den Kunden während der Projektphase nicht kalkulierte Zusatzkosten, auch besteht die Gefahr, dass die Produktion später nicht MRK tauglich ist, dies wird zu spät erkannt.

Hier ist eine professionelle und unabhängige Prozessanalyse in der Planungsphase sinnvoll. Dabei achten meine Kollegen speziell auf die MRK Fähigkeit des jeweiligen Prozesses. Dies erfordere eine Beurteilungsfähigkeit die wir uns in den Jahren, seit dem wir uns mit dem Thema MRK beschäftigen, angeeignet haben. Diese Beratungsdienstleistung kann jedes Unternehmen in Anspruch nehmen und diese Beratung macht sich in der Umsetzung der Applikation auf jeden Fall bezahlt, da das Risiko des Scheiterns eliminiert wird.

*Kurzgesagt würden wir eine unabhängige Prozessanalyse auf die MRK-Fähigkeit als erste Schritte empfehlen.**

Sie verstehen sich auch als „Technologiescout“, beobachten die Forschung und kennen die Erwartungen Ihrer Kunden. Was wissen Sie schon, was ich heute noch nicht weiß?

Mit Spannung verfolgen wir die Entwicklung der Leichtbaurobotik und die verschiedenen Philosophien bezüglich MRK. Die Erwartung der Kunden ist eine kostengünstige Lösung egal ob mit/oder ohne MRK. Da sind manche Systeme in der Anschaffung einfach noch zu teuer um den klassischen Amortisationszeitraum zu schaffen. Eine Koexistenz ist zumeist günstiger zu realisieren und erfüllt oftmals auch ihren Zweck. Mit Spannung erwarten wir Systeme, die eine Mensch-Roboter-Kollaboration vereinfacht ermöglichen, ohne dass der Werker mit dem Roboter in Kollisionskontakt geht. Diese Technik würden wir als Durchbruch sehen, um in der Zukunft echte wandlungsfähige Produktionen ohne großen Inbetriebnahme- und Sicherheitsaufwand betreiben zu können. Ansätze hierzu gibt es schon.

Ein Praxisbeispiel aus Ihrer beruflichen Erfahrung: Wo hat sich Einsatz von MRK besonders ausgezahlt? Und wo vielleicht auch nicht?

Überall, wo wir den Mitarbeiter weiterhin in der Produktion benötigen, um einen komplexen Arbeitsvorgang zu erledigen, sehen wir den Leichtbauroboter als Produktionshelfer, der gegebenenfalls den zweiten Mitarbeiter ersetzt oder es dem Werker ermöglicht, seine Tätigkeit mit dem Roboter so aufzuteilen, dass der Werker von unergonomischen Tätigkeiten entlastet wird. Es kommt immer auf den jeweiligen Anwendungsfall und die Mitarbeiter- und Kostenstruktur beim Kunden an.

Unsere Konzeptentwicklungen mit adaptiven Automatisierungsgrad, z. B. bei Batteriemontagen oder Fertigungsanlagen im Bereich Aerospace oder wandlungsfähige Montageanlagen, arbeiten zukünftig mit dieser neuen Technik. Da macht der Einsatz von Mensch-Roboter-Kollaboration wirklich Sinn. Da sind wir in der Planung heute ganz vorn mit dabei.

Wenn es darum geht, einen Werker direkt durch einen Roboter zu ersetzten, kommt oftmals die Mensch Roboter Kollaboration nicht in Frage. Da empfehlen wir die kostengünstigere Mensch Roboter Koexistenz.